Verdrängt United Artists die Wahrheit?
Den Komparsen wurde die Anweisung erteilt, den Sicherheitsstift an der Ladeklappe wegzulassen, damit die Szene authentischer wirke:
“Ich kann mich noch daran erinnern, dass bei einigen Szenen… einer der Komparsen, der die Heckklappe zum Abstieg öffnen sollte, Probleme mit dem schnellen Öffnen hatte, da der Stift, der den Arretierungshebel fixierte, sich in sich verbogen hatte und klemmte. Dadurch ging der Arretierungsstift sehr schwer aus der Öse raus. Dementsprechend konnte der Arretierungshaken nicht schnell geöffnet werden und die Ladeklappe zum schnellen Abstieg nicht schnell genug geöffnet werden. Jedoch sollte bei der Szene ein schneller Abstieg von den Lkws gedreht werden. Uns wurde gesagt, dass es dementsprechend wichtig war, dass wir schnell von den Lkws runter kamen und dementsprechend auch schnell die hintere Ladeklappe öffnen könnten. Sodann wurde uns von einem der Komparsenbetreuer gesagt, dass wir, um schneller von dem Lkw herunterzukommen und schneller den Arretierungshebel öffnen zu können, den Stift weglassen sollten.”
Quelle: Eidesstattliche Versicherung eines Komparsen
Ein anderer Komparse versicherte an Eides statt:
“Bei jeder Fahrt auf den Lkws hatte ich und auch alle anderen Komparsen auf den Lkws die Gewissheit, würden wir uns an die Seitenwand anlehnen, würde diese ausbrechen und wir vom Lkw fallen. Die Seitenklappe war mit ca. 12 Ösen befestigt, ein Kumpel am Set hat diese nachgezählt. Hiervon fehlten an der Seite zur Ladeklappe 5-6 Ösen, sagte mir einer der Komparsen auf unserem Lkw. Bereits bei der ersten Fahrt zur „Sturmszene“ habe ich gesehen, wie der ganz links, am Ende des Lkws auf den letzten Platz vor der hinteren Ladeklappe sitzende Komparse in der Kurve schon fast in der Luft hing, da sich die Seitenwand hinten (wohl durch die Fliehkraft und die fehlenden Ösen) nach außen bog. Ich saß in etwa in der Mitte auf der rechten Bank und habe hinter dem Rücken des neben mir sitzenden Komparsen an dessen Schulter gegriffen, um ihn wieder auf die Ladefläche des Lkws zurückzudrücken, damit dieser nicht herunterfällt bzw. die Seitenwand nicht herausbricht. Danach hatten wir bei jeder Szene totale Angst herauszufallen.”
Quelle: Eindesstattliche Versicherung eines weiteren Komparsen
Und hiervon will keiner der Verantwortlichen gewusst haben?
United Artists dementierte, dass es bereits vor dem Unfall am Abend des 19.08.07 zu Zwischenfällen mit Verletzten gekommen sei; so versicherte aber doch ein verletzter Komparse über Geschehnisse am Nachmittag des 19.08.07 an Eides statt:
“Mir sagte der Sanitäter, er könne mich nicht in das Krankenhaus fahren. Er kam gerade mit einem anderen Komparsen, der einen Gips erhalten hat, auch Verletzung von Sprungszene, Haarriss und Fraktur rechtes Sprunggelenk. Er konnte mich nicht fahren, weil ein Wagen immer am Set sein müsse, einer sei gerade losgefahren mit einem anderen Verletzten. Er könne mich nicht fahren, da andernfalls der Dreh abgebrochen hätte werden müssen. Trotz starker Schmerzen behandelte er mich nur mit Eisspray und sagte, ich solle am nächsten Tag selber zum Unfallarzt gehen und mich röntgen lassen. Es stellte sich eine Fersenfraktur heraus. Der Sanitäter berichtete mir, dass die Bilanz der Sprungszene 22 Ausfälle an Komparsen war, davon 11 mit Blasen- und Fußschmerzen, weitere 11 mit Prellungen, Verstauchungen und einem Bruch.”
Quelle: Eidesstattliche Versicherung eines weiteren Komparsen
United Artists will von all dem nichs gewusst haben? Weiss denn United Artists nicht, dass nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland die Höhe des Schmerzensgeldes (Das wird teuer!) sich danach richtet, wie sich der Schädiger NACH der Tat verhält: die Verbitterung der Verletzten wird dadurch noch gesteigert, wenn der Schädiger OHNE sachlichen Grund die Erfüllung der Ersatzpflicht künstlich hinauszögert oder sich mit - die Verletzten beleidigenden - Argumenten verteidigt:
“Wie die Ermittlungen am Set ergeben haben, liegt offenbar ein individuelles Fehlverhalten eines am Set tätigen Komparsen vor, der seinerseits wahrscheinlich einen internen Freistellungsanspruch hat.”
Quelle: Anwaltsschreiben für United Artists, Hervorhebungen durch RAin Bluttner
Auch in Deutschland wird nicht nur die Schwere der jeweiligen Verletzungen, sondern auch der Verschuldensgrad auf Seiten des Schädigers sowie dessen anschließendes Verhalten bei der Höhe des Schmerzensgeldes berücksichtigt - ist das Verhalten von United Artists unter diesen Gesichtspunkten also wirklich so klug?
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!
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Ein Kommentar-
David Eickelberg
am 4. Oktober 2007 um 15:30 Uhr
Mann Mann Mann… das wird ja immer besser. Erst will man die LKW nicht besichtigen lassen, dann solche Komentare der Komparsen. Das stinkt nicht nur nach Vertuschung, sondern eben auch nach der vilzitierten gefährlichen Nachlässigkeit. Gibts denn in der Zwischenzeit was Neues?